Wachstumsmarkt Individualisierung, Losgröße 1 und Mass Customization in Deutschland

12.Jan. 2021

Individualisierung ist ein Trendthema. Was aber ist dran an dem Ansatz, dass mit zunehmender Individualisierung alles besser wird? Für Unternehmen, für Konsumenten, für die Umwelt? Welche Branchen nutzen Konfiguratoren, um ihre Produkte individualisierbar anzubieten? Und wie sieht der Markt für individualisierbare Produkte in Deutschland aus? Wir haben dazu eine kurze Übersicht erstellt!

Produktkonfigurator, Industrie 4.0, Losgröße 1, Build to Order, Mass Customization, CPQ


Was bedeutet „Individualisierung“ für Unternehmen? 

Klar ist, Individualisierung in der Fertigung ist die Zukunft. Denn nur so kann die Industrie auf die speziellen Wünsche von Konsumenten eingehen. Und dieser Fokus verlangt nach einem hohen Grad an Produktdifferenzierung bei gleichbleibenden Skalierungseffekten der Massenproduktion. Mass Customization also “kundenindividuelle Massenproduktion” bedeutet, individuelle Kundenbedürfnisse zu bedienen, bei Kosten, die nur geringfügig über denen eines Standardprodukts liegen. 
 

Losgröße 1 - Zauberwort oder alter Hut? 

Losgröße 1 bzw. Einzelfertigung ist in der Automobilindustrie schon lange Realität. Auch im Sonderanlagenbau ist jedes Bauteil eigentlich ein universelles Einzelstück, in der Medizintechnik gilt das in weiten Bereichen ebenso. Warum also die Euphorie? Ganz einfach: Neue Technologien (Stichwort IoT-Technologien, additive Fertigung) rücken die Fertigung kleiner Losgrößen auch für andere Branchen in die Wirtschaftlichkeitszone. Damit gewinnt “Losgröße 1” in der klassischen Massenproduktion an Bedeutung. 

Die Produktion in Losgröße 1 bzw. Mass Customization ist ein wesentliches Ziel von Industrie 4.0. Digitalisierte Produktionsprozesse liefern Live-Daten in Echtzeit und sorgen dafür, dass die Zusammenarbeit aller an der Produktion beteiligten Firmen nahtlos und effizient möglich ist. Das Resultat: Eine extrem hohe Anpassungsfähigkeit und Flexibilität entlang der gesamten Wertschöpfungskette. 
 

Fertigungsprinzipien für die kundenindividuelle Produktion 

Es gibt unterschiedliche Prinzipien, nach denen “individualisiert” gefertigt werden kann:
 
Assemble to Order
In den Bereichen Entwicklung, Konstruktion, Beschaffung und Produktion wird basierend auf Prognosen gefertigt. Erst wenn individuelle Kundenwünsche in der Produktion eintreffen, wird die spezifische Variante fertiggestellt. D.h. ab der Endmontage und Distribution ist die Fertigung kundenspezifisch, also auftragsgetrieben.

Build to Order / Make to Order
Die Fertigung wird durch Kundenaufträge ausgelöst. Der Kundenauftrag ist in den Bereichen Entwicklung und Konstruktion prognosegetrieben. Die Beschaffung, Produktion, Endmontage und Distribution sind auftragsgetrieben. Das führt dazu, dass die Erfüllung von Kundenwünschen mit höheren Lieferzeiten verbunden ist. 

Engineer to Order
Erst nach dem Eingang eines Kundenauftrags wird der Entwicklungs- und Konstruktionsprozess ausgelöst. Die Bereiche Konstruktion, Beschaffung, Produktion, Endmontage und Distribution sind bei Engineer to Order alle auftragsgetrieben. 

Grundvoraussetzung für alle Konzepte ist, dass die Prozesse zwischen Zulieferer, Produzenten und Abnehmer ohne Unterbrechung und fehlerfrei ablaufen, um Kosten-, Zeit-, Qualitäts-, Flexibilitäts- und Servicevorteile zu erzielen. 
 

Wann und wie werden Kunden eingebunden? 

“Der Kunde ist König” bekommt beim Thema Individualisierung eine vollkommen neue Dimension. Denn Produkte werden im Idealfall mit Hilfe eines Konfigurators vom Kunden selbst gestaltet, bestellt und in Auftrag gegeben. Produktkonfiguratoren, CPQ-Konfiguratoren oder Variantenkonfiguratoren sind digitale Anwendungen, die als Customer Touch Points einen enormen Stellenwert bekommen. Auch wenn begleitende Verkaufsgespräche (überwiegend im B2B Bereich) stattfinden, ist die Usability des Konfigurators ausschlaggebend für den gesamten Kauf-, Bestell-, und Fertigungsprozess. Denn der Konfigurator stellt sicher, dass die Funktionalität des Endprodukts gewährleistet bleibt, und ebenso die technische Realisierbarkeit in der Fertigung berücksichtigt wird. Aus diesem Grund bieten Konfiguratoren für kommerzielle Endprodukte immer einen klar definierten Lösungsraum, der mithilfe von Produktlogiken abgebildet wird. 

Heute sind Konfiguratoren hocheffiziente Vertriebstools. Im B2B Bereich haben sich die Begriffe Angebots- oder CPQ-Konfigurator (Configure Price Quote) bzw. Guided Selling Tool durchgesetzt. Dank 3D-Rendering in Echtzeit liefern sie perfekte Modelle der individualisierten Produkte mit allen Produktspezifikationen für die verschiedensten ERP- und CRM-Systeme.
 

Aber was ist mit der Umwelt? 

Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Klimawandel sind keine Nischenthemen mehr. Die Neuausrichtung herkömmlicher Konsummuster wird im kommenden Jahrzehnt im wahrsten Sinne überlebenswichtig. Unternehmen, die zukunftsfähig bleiben wollen, müssen bereits heute Ökologie-Potenziale erkennen und handeln.

Die Vorteile einer kundenspezifischen und individualisierten Produktion sind in erster Linie der effiziente Ressourceneinsatz:

  • Anbieter produzieren idealerweise für den konkreten Bedarf, die Individualisierung führt zu reduzierten Retouren, reduzierten Lagerbeständen und reduzierter Überproduktion.
  • Recycling, Reparatur und Wiederverwendung werden erleichtert, da Produkte am Ende ihrer Lebensdauer leichter zu lokalisieren sind (über gespeicherte Kundendaten).
  • Ebenso verbessert eine modulare Produktarchitektur die Recyclingfähigkeit von Produkten
  • Kunden haben die Möglichkeit die nachhaltigste Variante eines Produkts zu konfigurieren

Darüber hinaus lassen sich eine Fülle an Kundendaten und Informationen über Kundenbedürfnisse gewinnen, die bei traditionellen Marktforschungsmethoden nur schwer ermittelbar sind. Unternehmen haben damit ein zusätzliches Instrument zur frühen Antizipation von Marktentwicklungen. Wenn Mass Customization nicht als reines Ziel betrachtet wird, sondern als Prozess, sich den Wünschen der Kunden zu nähern, können neue und umweltverträgliche Geschäftsmodelle erschlossen werden. 

Umfangreichere Informationen zur Nachhaltigkeit unterschiedlicher Produktionsprozesse in Zusammenhang mit Industrie 4.0 liefert die kostenlose Veröffentlichung “A Sustainability Assessment of Smart Innovations for Mass Production, Mass Customization and Direct Digital Manufacturing”. 
 

Mass Customization und der Einsatz von Produktkonfiguratoren in Deutschland

Die deutsche Industrie zeigt einen klaren Trend zur Individualisierung. Im deutschen Industrie 4.0 Index von 2018 gaben 20 Prozent von 400 befragten Unternehmen an, Losgröße 1 realisiert zu haben. In den nächsten Jahren wollten beinahe 50 Prozent Einzelanfertigungen zu Kosten einer Serienfertigung umsetzen. Sechs von zehn der damals befragten Unternehmen betrachteten die Losgröße 1 als wichtigen Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg ihres Unternehmens. 

Im Konsumgüterbereich steht Deutschland beim Angebot kundenindividueller Lösungen weltweit an der Spitze. Als größte Online-Sammlung digitaler Produktkonfiguratoren liefert die Configurator Database folgende Zahlen für den Einsatz von Produktkonfiguratoren im weltweiten Vergleich:

Der Einsatz von Produktkonfiguratoren im weltweiten Vergleich


Betrachtet man in Deutschland die Branchen, welche Produktkonfiguratoren im Verkauf nutzen, führt hier die Branche "Haus & Garten": 

Produktkonfiguratoren in Deutschland nach Branchen


Bei den Produkten, die online über einen Produktkonfigurator angeboten werden, liegen PKW's an erster Stelle:

Produktkonfiguratoren in Deutschland nach Produkten

 

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